Antragsgrün - die Online-Antragsverwaltung für Parteitage, Verbandstagungen und Mitgliederversammlungen

B1: Fair statt prekär – für eine Verbesserung der Beschäftigungsbedingungen an sächsischen Hochschulen

Veranstaltung: LDK Großenhain
AntragsstellerIn: LAG Hochschule (LAG Hochschule)
Status: Eingereicht
Eingereicht: 16.10.2015, 11:30 Uhr

Antragstext

2BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich für faire Beschäftigungsbedingungen an
3sächsischen Hochschulen ein. Wir wollen nicht nur verlässliche Perspektiven für
4den wissenschaftlichen Nachwuchs ermöglichen, sondern allen
5Beschäftigungsgruppen gute Arbeitsbedingungen im Sinne des Leitbildes
6„Wissenschaft als Beruf“ ermöglichen. Dabei fordern wir Veränderungen in
7folgenden Punkten:
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
81. Faire Bedingungen für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
9Für studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte sind die
10Beschäftigungsbedingungen vielfach ungeklärt. Oft fehlt selbst ein
11Arbeitsvertrag, in dem Rechte und Pflichten geklärt sind. Wir wollen
12verbindliche Regelungen für Arbeitszeit, Urlaubsanspruch und Mindestlaufzeiten
13verankern. Die Vergütung soll unabhängig von der Hochschulart und auf bundesweit
14vergleichbarem Niveau erfolgen.
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
152. Lehrbeauftragte endlich angemessen entlohnen
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
16Im Rahmen einer vielfältigen und praxisnahen Lehre sowie zum Sammeln von
17Lehrerfahrungen sind Lehrbeauftragte ein wichtiges ergänzendes Element der
18Hochschullehre. In der Praxis decken Lehrbeauftragte jedoch zum Teil
19grundständige Lehre ab und werden angesichts ihrer Qualifikation und Leistung
20nur unzureichend vergütet. Wir wollen den Grundsatz durchsetzen, dass
21Lehrbeauftragte außer an Musik- und Kunsthochschulen nicht für grundständige
22Lehre, sondern nur für ergänzende Angebote eingesetzt werden. Die Arbeit von
23Lehrbeauftragten einschließlich der Vor- und Nachbereitungszeit soll mit
24vergleichbaren Stundensätzen wissenschaftlicher MitarbeiterInnen vergütet
25werden. Honorarfreie Tätigkeiten für Berufstätige sollen weiterhin möglich sein.
26Lehrbeauftragte sollen innerhalb der Gruppe der wissenschaftlichen
27MitarbeiterInnen angemessen in den Hochschulgremien vertreten sein.
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
283. Missbrauch von Drittmittelbeschäftigung beenden
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
29In den letzten Jahren ist der Anteil von Beschäftigten im Rahmen von
30Drittmittelprojekten gegenüber grundständigen Stellen erheblich gewachsen.
31Angesichts von oft nur kurzen Vertragslaufzeiten weit unterhalb der
32Projektlaufzeit bieten diese jedoch oft nur prekäre Beschäftigungsbedingungen.
33Wir wollen den Grundsatz der Beschäftigung gemäß Projektlaufzeit verankern.
34Dabei sollen Ausnahmen für zeitlich befristete Teilprojekte,
35Schwangerschaftsvertretung o.ä. verbindlich geregelt werden. Darüber hinaus
36setzen wir uns für gezielte Anreize für mehr unbefristete
37Beschäftigungsverhältnisse in den Drittmittelprogrammen des Freistaates, des
38Bundes und der Deutschen Forschungsgemein­schaft (DFG) ein. Zur Förderung
39stabiler Beschäftigungsverhältnisse sind Programmpauschalen nach Möglichkeit zu
40zentralisieren.
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
414. Berechenbare Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
42Viele hochqualifizierte NachwuchswissenschaftlerInnen arbeiten nach der
43Promotion unter prekären Bedingungen mit unzureichender Anbindung an die
44wissenschaftliche Community. Wir setzen uns für eine vorrangige Förderung sozial
45abgesicherter Stellen gegenüber Stipendien in der Post-Doc-Phase ein. Die
46Juniorprofessur soll mit einem verbindlichen Tenure-Track ausgestaltet werden.
47Wir wollen erreichen, dass schrittweise ein Drittel aller neu zu besetzenden
48ordentlichen Professuren über eine Juniorprofessur berufen werden.
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
495. Unbefristete Beschäftigungen ausweiten
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
50Für hochqualifizierte WissenschaftlerInnen besteht die Perspektive auf eine
51unbefristete Beschäftigung einzig in der Berufung auf eine Professur. Angesichts
52des engen Stellenkontingents werden damit die Berufsbiographien vieler
53hervorragender WissenschaftlerInnen entwertet. Die Einrichtung von Dauerstellen
54jenseits der Professur, z.B. Lecturer, wird den vielfältigen Aufgabenprofilen in
55der Wissenschaft besser gerecht. Wir wollen einen Mindestanteil unbefristeter
56Beschäftigungsverhältnisse für dauerhafte Aufgaben in Lehre, Forschung und
57wissenschaftlicher Dienstleistung schaffen.
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.
58Zur Umsetzung dieser Forderungen streben wir an, dass die Tarifsperre im
59Wissenschaftszeitvertragsgesetz aufgehoben und ein Wissenschaftstarifvertrag
60verhandelt wird. Bis tarifvertragliche Regelungen greifen, sollen die
61Hochschulen durch Selbstverpflichtungen eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen
62durch entsprechende Personalentwicklungskonzepte erreichen. Werden diese nicht
63erfüllt, sollen durch den Freistaat entsprechende Rahmenregelungen für faire
64Arbeitsbedingungen der jeweiligen Beschäftigtengruppen erlassen und gemeinsam
65mit den Hochschulen Zielvereinbarungen abgeschlossen werden.
Kommentar schreiben
ACHTUNG: Um diese Funktion zu nutzen, muss entweder JavaScript aktiviert sein, oder du musst eingeloggt sein.

Begründung

Die Perspektiven des wissenschaftlichen Nachwuchses sind in den letzten Jah­ren deutlich prekärer geworden. Dem Zuwachs an Studierenden steht eine stagnierende Zahl von Hoch­schulprofessuren gegenüber. Zwar sind durch den Bund erhebliche Mittel in die Personalausstattung der Hochschulen geflossen. Durch die Ausweitung von Drittmittelprogrammen in Forschung und Lehre haben diese Programme jedoch die Befristungsproblematik noch verschärft. Unter den prekären Beschäftigungsbedingungen leidet letztlich auch die akademische Qualität. Daueraufgaben in der Lehre werden zunehmend von Lehr- und For­schungsanfängern mit befristeten Verträgen und von nebenberuflichen Lehrbeauftrag­ten übernommen. Die Projektfinanzierung von Forschung schränkt zunehmend langfristig angelegte und unorthodoxe Forschungsansätze ein. Der Anteil der Befristungen geht mittlerweile weit über das erforderliche und sinnvolle Maß hinaus. Längst ist der Wissenschaftsbetrieb für viele hoch qualifizierte Absolventen unattraktiv. Die verkrusteten Personalstrukturen und Qualifizierungswege sind nicht mehr geeignet, dem wissenschaftlichen Nachwuchs verlässliche Perspektiven zu geben und die Wissenschaft als Beruf attraktiver zu machen. Umso unverständlicher ist es, dass die Wissenschaftsverbände selbst zaghafte Verbesserungen nicht mittragen wollen.

Aus unserer Sicht ist das Wissenschaftszeitvertragsgesetz bei der Sicherung von fairen und zukunftsfähigen Beschäftigungsbedingungen weitgehend gescheitert. Wir wollen deshalb durch eine Aufhebung der Tarifsperre erreichen, dass Hochschulen und Gewerkschaften selbst geeignete Regelungen in einem Wissenschaftstarifvertrag aushandeln. Aber auch unabhängig davon können die Hochschulen im Rahmen einer Selbstverpflichtung selbst weitreichende Verbesserungen ermöglichen, wenn sie entsprechende Personalentwicklungskonzepte erarbeiten und umsetzen. Sollten die Hochschulen dazu nicht in der Lage sein, sollte der Freistaat Rahmenregelungen erlassen und mit den Hochschulen entsprechende Zielvereinbarungen abschließen.

Zustimmung

Zustimmung von:
  • MaicheCl

Änderungsanträge

keine